UNEP (Umweltprogramm der Vereinten Nationen) bringt im Herbst jeden Jahres einen Bericht heraus, der die tatsächlich erreichten mit den notwendigen Emissionseinsparungen vergleicht. Der Bericht 2024 ist heute erschienen. Die Zukunft unseres Planeten steht auf dem Spiel. Wir befinden uns mitten in einem Klimanotstand, und das Zeitfenster zum Handeln schließt sich schnell. Der UNEP-Bericht über die Emissionslücke 2024 macht deutlich, dass wir vor der Qual der Wahl stehen: Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1,5 °C, Anpassung an 2 °C oder katastrophale Folgen bei 2,6 °C und darüber hinaus….
Die Treibhausgasemissionen haben einen neuen (traurigen) Rekordwert erreicht: 57,1 Milliarden Tonnen Kohlendioxid (äquivalent) im Jahr 2023. Um das 1,5 °C Ziel noch einzuhalten, müssen die Emissionen bis 2030 um 42 % und bis 2035 um 57 % gesenkt werden. Es ist technisch noch möglich, dieses Ziel zu erreichen, aber nur, wenn sofort mit massiven Maßnahmen begonnen wird – und nicht weiter in Ankündigungen nur heiße Luft produziert wird. Ein Versagen bei der Festlegung und Umsetzung ambitionierter Klimaziele, wird uns unvermeidbar auf den Pfad einer Erwärmung um 2,6 bis 3,1 °C bis zum Ende des Jahrhunderts bringen. Zwischen tatsächlicher Umsetzung und notwendiger Emissionsminderung klafft eine Riesenlücke.
„Die Emissionslücke ist kein abstrakter Begriff“, sagte António Guterres, UN-Generalsekretär, in einer Videobotschaft zum Bericht. „Es besteht ein direkter Zusammenhang zwischen steigenden Emissionen und immer häufigeren und intensiveren Klimakatastrophen. Überall auf der Welt zahlen die Menschen einen schrecklichen Preis. Rekord-Emissionen bedeuten Rekord-Meerestemperaturen, die Monster-Hurrikans auslösen; Rekord-Hitze verwandelt Wälder in Zunderbüchsen und Städte in Saunen; Rekord-Regenfälle führen zu biblischen Überschwemmungen.“
Der Bericht zeigt, dass es das technisches Potenzial für Emissionssenkungen bis 2030 von bis zu 31 Gigatonnen CO2-Äquivalent gibt – das sind etwa 52 % der Emissionen des Jahres 2023 – und 41 Gigatonnen bis 2035. Damit ließe sich die Lücke zu 1,5 °C schließen, und zwar zu Kosten von weniger als 200 US-Dollar pro Tonne CO2-Äquivalent.
Ein verstärkter Einsatz von Photovoltaik- und Windenergietechnologien könnte 27 % des gesamten Reduktionspotenzials bis 2030 und 38 % bis 2035 ausmachen. Maßnahmen im Bereich der Wälder könnten in beiden Perioden etwa 20 % des Potenzials ausmachen. Weitere gute Optionen sind Effizienzmaßnahmen, Elektrifizierung und die Umstellung auf andere Energieträger in den Bereichen Gebäude, Verkehr und Industrie.
Dieses Potenzial zeigt, dass es möglich ist, die Ziele der COP28 zu erreichen: Verdreifachung der Kapazitäten für erneuerbare Energien bis 2030, Verdoppelung der durchschnittlichen jährlichen Energieeffizienzrate bis 2030, Abkehr von fossilen Brennstoffen sowie Erhaltung, Schutz und Wiederherstellung von Natur und Ökosystemen.
Um jedoch auch nur einen Teil dieses Potenzials auszuschöpfen, bedarf es einer beispiellosen internationalen Mobilisierung und eines regierungsübergreifenden Ansatzes, der sich auf Maßnahmen konzentriert, die den sozioökonomischen und ökologischen Nutzen maximieren und Zielkonflikte minimieren.
Die Investitionen in den Klimaschutz müssen mindestens versechsfacht werden, um ein Netto-Null-Niveau zu erreichen – unterstützt durch eine Reform der globalen Finanzarchitektur, starke Maßnahmen des Privatsektors und internationale Zusammenarbeit. Dies ist erschwinglich: Die geschätzten zusätzlichen Investitionen für eine Netto-Null-Prognose belaufen sich auf 0,9 bis 2,1 Billionen US-Dollar pro Jahr von 2021 bis 2050 – Investitionen, die sich in Form von vermiedenen Kosten durch Klimawandel, Luftverschmutzung, Naturschäden und Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit auszahlen würden. Zum Vergleich: Die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte haben ein Volumen von 110 Billionen US-Dollar pro Jahr.
Die G20-Mitglieder, die für den Großteil der Gesamtemissionen verantwortlich sind, müssen die Hauptlast tragen. Diese Gruppe ist jedoch immer noch nicht in der Lage, selbst die aktuellen NDCs (National Determined Contributions, durch die Länder festgelegte Beiträge) einzuhalten. Die Mitglieder mit den höchsten Emissionen müssen die Führung übernehmen, indem sie ihre Maßnahmen und Ambitionen jetzt und in den neuen Zusagen drastisch erhöhen. [… aus der Pressemitteilung zum Bericht]
Neben dem UNEP Bericht ist auch das WMO Greenhouse Gas Bulletin No. 20 der World Meteorological Organization (WMO) am 28.10.2024 erschienen. Danach haben die CO2-Konzentrationen in nur 20 Jahren um 11,4 % zugenommen. Die lange Verweildauer von CO2 in der Atmosphäre führt zu einem weiteren künftigen Temperaturanstieg, El Niño und bei höheren Temperaturen häufigere Vegetationsbrände haben den Anstieg Ende 2023 noch weiter angetrieben. Die Wirksamkeit von Kohlenstoffsenken, wie z.B. Wälder, kann nicht als selbstverständlich angesehen werden. Auch der Wald in Deutschland gibt seit 2017 mehr Kohlendioxid ab, als er aufnimmt. Das ist ein Ergebnis der vierten Bundeswaldinventur.