Die fünf Kerninformationen zum Klimawandel in 20 Worten:
– Er ist real.
– Wir sind die Ursache.
– Er ist gefährlich.
– Die Fachleute sind sich einig.
– Wir können noch etwas tun.
… and in ten words:
– It’s real.
– It’s us.
– Experts agree.
– It’s bad.
– There’s hope.
Anthony Leiserowitz, Yale University (2017)
Ein paar Zeilen zum Nachdenken.
Wenn man verstehen will, warum es so ist, wie es ist, lese man:
Donella H. Meadows: Die Grenzen des Denkens, oekom verlag, München, (2010, 2019)*:
Das Buch startet mit dem Zitat:
If a factory is torn down but the rationality which produced it is left standing, then that rationality will simply produce another
factory. If a revolution destroys a government, but the systematic patterns of thought that produced that government are left intact,
then those patterns will repeat themselves. . . . There’s so much talk about the system. And so little understanding.
—Robert Pirsig, Zen and the Art of Motorcycle Maintenance
… und hier folgen einige wenige Auszüge aus der deutschen Übersetzung:
„Niemand erschafft bewusst diese Probleme, niemand will, dass sie weiter bestehen, aber sie tun es trotzdem. Das kommt, weil sie wesenhaft Systemprobleme sind – unerwünschte Verhaltensweisen, die charakteristisch sind für die Strukturen, die sie hervorbringen. Sie werden nur dann verschwinden, wenn wir uns wieder auf unsere Intuition besinnen, mit Schuldzuweisungen aufhören, das System als Quelle seiner eigenen Probleme erkennen und den Mut und die Weisheit finden, es neu zu gestalten. (Seite 43)
…
Aus der gemeinsamen Idee im Bewusstsein der Gesellschaft, den bedeutenden unausgesprochenen Annahmen, besteht das Paradigma dieser Gesellschaft, das heißt die tiefgründenden Überzeugungen, wie diese Welt funktioniert. Diese Überzeugungen sind unausgesprochen, weil es nicht nötig ist, sie auszusprechen – jeder kennt sie ja bereits. Geld misst etwas Reales und hat eine reale Bedeutung; daher sind schlechter bezahlte Menschen buchstäblich weniger wert. Wachstum ist gut. Die Natur ist ein Vorrat von Ressourcen, der für menschliche Zwecke umgewandelt wird. Die Evolution hörte mit der Entstehung des Homo sapiens auf. Man kann Land „besitzen“. Diese sind nur einige der vielen paradigmatischen Annahmen unserer heutigen Kultur, die allesamt bei anderen Kulturen blanke Verwunderung hervorgerufen haben, weil diese sie kein bisschen einleuchtend finden.
Paradigmen sind die Ursprünge der Systeme. Ihnen, den gemeinsamen sozialen Übereinkünften über das Wesen der Realität, entspringen Systemziele und Informationsflüsse, Rückkopplungen, Bestände, Flüsse und alles, was sonst zu Systemen gehört. (Seite 235)
Eigentlich sind die Paradigmen in einem System schwieriger zu verändern als alles andere, … . Aber ein Paradigmenwechsel ist weder ein materieller noch ein kostspieliger oder gar langsamer Vorgang. Eine Einzelperson kann ihn in einer Millisekunde durchlaufen. Alles, was dazu nötig ist, ist ein Klicken im Hirn, das Abfallen der Schuppen vor den Augen, eine neue Sichtweise. Bei ganzen Gesellschaften ist dies etwas anderes – sie widersetzen sich nichts vehementer als dem Infragestellen ihrer Paradigmen.
Wie verändert man also Paradigmen? … Man lenkt fortwährend die Aufmerksamkeit auf die Anomalitäten und das Versagen des alten Paradigmas. Man hört nicht auf, laut und unbeirrt auf der Grundlage des neuen Paradigmas zu sprechen und zu handeln. Man stellt Menschen, die dem neuen Paradigma folgen, an öffentlichkeitswirksame und einflussreiche Stellen. Man verschwendet keine Zeit mit Reaktionären, sondern arbeitet zusammen mit den aktiven Betreibern des Wandels und der breiten Masse aufgeschlossener Menschen in der Mitte der Gesellschaft. (Seite 236)
…
Ein System auf immanente Verantwortung auszurichten, könnte beispielsweise auch bedeuten, dass alle Gemeinden, die ihr Abwasser in den Fluss leiten, dazu verpflichtet werden, ihre Wasserentnahmerohre flussabwärts der Einleitungsrohre zu verlegen. … Diese wenigen Beispiele reichen wohl als Denkanstoß, um sich klarzumachen, wie wenig sich unsere gegenwärtige Kultur noch um handlungsbestimmende Verantwortlichkeiten im System kümmert, und wie sehr wir darin versagen, Systeme so zu gestalten, dass die Folgen ausgelöster Handlungen im System selbst spürbar werden. (Seite 257)
…
Eine der schlechtesten Menschheitsideen aller Zeiten waren Zinsen, die zu den weiterführenden Konzepten von Tilgungszeiträumen und Diskontsätzen führten. Sie liefern alle eine rationelle, quantifizierbare Entschuldigung dafür, langfristige Zeiträume zu ignorieren.
Der offizielle Zeithorizont der industriellen Gesellschaft erstreckt sich nicht weiter als bis hinter die nächsten Wahlen oder bis zum Ende des Abschreibungszeitraumes für vorhandene Investitionen. Der Zeithorizont der meisten Familien erstreckt sich dagegen immer noch weiter – über die Lebensspannen der Kinder und Enkel. Viele Ureinwohnerkulturen Nordamerikas bezogen bei ihren Verhandlungen vor Entscheidungen aktiv deren Wirkung noch auf die siebte nachfolgende Generation ein. Je weiter der wirksame Zeithorizont, desto besser die Überlebenschancen. (Seite 260)“
Donella H. Meadows, 13. März 1941 – 20. Februar 2001 war eine US-amerikanische Umweltwissenschaftlerin und Autorin. Sie war Mitautorin der Studie Die Grenzen des Wachstums des Club of Rome von 1972
*Donella H. Meadows: Thinking in Systems. Hrsg.: Diana Wright. 1. Auflage. Earthscan, London 2009, ISBN 978-1-84407-725-0, S. 213 (wtf.tw [PDF]).

Der Klimawandel ist nicht erst interessant, wenn die eigenen lokal und zeitlich begrenzten Interessen berührt werden. Er ist nicht von alleine gekommen und wird auch so schnell nicht wieder von alleine gehen. Nach menschlichen Zeitskalen bleibt das zusätzliche CO2 für immer in der Atmosphäre. Die Erwärmung des Klimas wird also alle nachfolgenden Generationen betreffen, nicht nur unsere Kinder, Enkel und Urenkel. Je mehr CO2 wir in die Atmosphäre entsorgen, um so wärmer wird es. Die Lösung des Klimaproblems ist, keine Kohle, kein Öl und kein Gas mehr zu verbrennen. Dieses Ziel ist aus physikalischen Gründen nicht verhandelbar. Je schneller wir dieses Ziel erreichen, desto besser. Jedes Zehntel Grad zählt.

Anders Levermann vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung beschäftigt sich mit der Dynamik komplexer Systeme und identifiziert ungeregelte Selbstverstärkungsprozesse innerhalb unseres gesellschaftlichen Systems als Ursache für viele unserer Probleme. In seinem Buch „Die Faltung der Welt – Wie die Wissenschaft helfen kann, dem Wachstumsdilemma und der Klimakrise zu entkommen“, Berlin, 2023 entwickelt er eine Vision mit fünf Faltungsgrenzen, die alle individuellen, unternehmerischen und politischen Entscheidungen mit dem Ziel lenken, uns eine nachhaltige Zukunft zu erhalten. [höre hier …]
Die fünf neuen Faltungsgrenzen sind (Zitat):
Es heißt: Klar aber ist, dass bestimmte Selbstverstärkungsprozesse langsam beginnen, nicht nur die ökologischen, sondern auch die von uns gesetzten gesellschaftlichen Grenzen zu sprengen. Wir müssen etwas tun. …
- Ende der Verbrennung fossiler Energieträger: Um das Pariser Klimaabkommen, auf das sich 195 Staaten geeinigt haben, einzuhalten, müssen CO2-Emissionen weltweit innerhalb der nächsten zwanzig Jahre auf null heruntergefahren werden.
- Ende des Rohstoffabbaus: Unser Planet ist endlich, und daher dürfen ihm irgendwann keine weiteren Rohstoffe mehr entnommen werden.
- Begrenzung der Unternehmensgröße: Der Souverän eines Landes ist die Bevölkerung. Es gilt das Primat der Politik über die Wirtschaft, und deshalb darf kein Unternehmen größer und mächtiger werden als die Länder, in denen es operiert.
- Begrenzung des Erbes: Die Menschen sollten möglichst chancengleich in das Leben starten, deshalb muss das Erbe, das an eine Person geht, begrenzt sein. Es geht hierbei ausschließlich um das Verhindern des Vererbens von großem Reichtum.
- Begrenzung des Einkommensunterschieds: Die Grundlage unseres Zusammenlebens ist die Existenz einer gemeinsamen Gesellschaft. Um die Gleichheit vor dem Gesetz und bei der Wahl zu gewährleisten, sollte das Verhältnis der Einkommen begrenzt sein. Es geht hierbei nicht um das Verhindern von Reichtum, sondern um das Verhindern eines Auseinanderreißens unserer Gesellschaft.